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Nationalismus/Patriotismus und Militarismus
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Z. Beeblebrox
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Atlantis
Post: #21
RE: Nationalismus/Patriotismus und Militarismus

Quote:
Stolz [von mnd..: stolt = prächtig, stattlich, lat.: sultitia: "Torheit"] ist das Gefühl einer großen Zufriedenheit mit sich selbst, einer Hochachtung seiner selbst – sei es der eigenen Person, sei es in ihrem Zusammenhang mit einem hoch geachteten bzw. verehrten „Ganzen“.


Er entspringt der (subjektiven) Gewissheit, etwas Besonderes, Anerkennenswertes oder Zukunftsträchtiges geleistet zu haben oder daran mitzuwirken.

- Wikipediaartikel Stolz.

Stolz entspringt also einer eigenen Leistung. Ich kann deshalb nicht wie Keven "stolz sein auf das, was andere vor uns geleistet haben und auf das, was wir leisten und was die anderen nach uns leisten werden", da ich das nach Kommende mir nur indirekt, das vor mir Gewesene gar nicht positiv beeinflussen kann.
Vaterlandsliebe kann ich noch irgendwie nachvollziehen, aber stolz ist schlicht unangebracht, wenn hinter dem Objekt des Stolzes keine eigene Leistung steht.

Und zur Provokation noch ein bisschen Schopenhauer:

Quote:
"Die wohlfeilste Art des Stolzes ist hingegen der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein."


Genau das hab ich vor ca. einem Jahr in der berliner U-Bahn erlebt. Ein Mann mit Bierflasche und vollgepisster Hose schwankte durch den Wagen und grölte: Ich bin stolz ein Deutscher zu sein!
Und in dem Moment dachte ich mir: Ja, was anderes bleibt ja auch kaum noch, auf das Du stolz sein kannst, oder?"

Außerdem verstehe ich nicht, wieso ich mich irgendjemandem Wildfremdem verbunden fühlen soll, nur weil er zufällig innerhalb der selben willkürlich gezogenen Linien geboren wurde und wieso soll jemand, der zufällig auf der anderen Seite der Linie geboren wurde mir fremd - ein "Ausländer" - sein?
Alle Menschen sind Ausländer, fast überall.


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19.04.2008 00:13
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Malone
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Joyland
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Post: #22
RE: Nationalismus/Patriotismus und Militarismus

Quote:
Vaterlandsliebe kann ich noch irgendwie nachvollziehen, aber stolz ist schlicht unangebracht, wenn hinter dem Objekt des Stolzes keine eigene Leistung steht.


Ganz konsequent gesehen, ist auch die eigene Leistung nur das Produkt der Anlage und der Umwelt Wink


Per aspera ad astra.

Please post questions always in the forum and do not message them to me!
19.04.2008 00:28
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Z. Beeblebrox
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Atlantis
Post: #23
RE: Nationalismus/Patriotismus und Militarismus

Malone Wrote:
Ganz konsequent gesehen, ist auch die eigene Leistung nur das Produkt der Anlage und der Umwelt Wink


Da ist schon irgendwas dran. Ich kann jedoch meine eigenen Entscheidungen bewusst fällen - oder zumindest gaukelt das Unterbewusstsein mir das vor - fremde eher nicht.

Aber vielleicht ist das Eigene, das Individuelle jedes Menschen ja wirklich nur die Kombination von Anlage und Umwelt. Auch auf die Weise erhält man jedes mal eine einzigartige Persönlichkeit.
Und wenn einer als erster "ich denke, also bin ich" denkt, ist das eine Leistung. Auf die kann er stolz sein, auch wenn er nur durch Anlage und Umwelt dazu gebracht wurde. Und auch die Disziplin, mal ordentlich zu philosophieren und nicht auf den Bolzplatz zu gehen, kann man bestimmt irgendwie auf diese Beiden zurückführen. Aber irgendwo muss man ja den Übergang zum Individuum ansiedeln oder das Individuelle ganz negieren.

Und NÖ ... ohne Individualität will ich nicht.


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19.04.2008 01:01
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Post: #24
RE: Nationalismus/Patriotismus und Militarismus

Z. Beeblebrox Wrote:
...Aber vielleicht ist das Eigene, das Individuelle jedes Menschen ja wirklich nur die Kombination von Anlage und Umwelt...

Einspruch - wenn dem so wäre, würden bei gemeinsam aufwachsenden eineiigen Zwillingen immer die Gemeinsamkeiten überwiegen. Die Varianz ist aber insgesamt real immer viel größer.
Zwar gibt es Fälle von geradezu erstaunlich anmutenden Gemeinsamkeiten/Gleichheiten, aber das ist bei genauerem Hinsehen eher auf das Bemühen der Eltern zurückzuführen, die ihre lieben Kleinen darauf trimmen - weil es sooo niedlich ist. Gerade solchermaßen instrumentalisierte Kinder haben als Erwachsene häufiger psych. Probleme, bzw. tauchen öfter in der Psychosprechstunde auf, weil die Kindheit für die Ausprägung bestimmter Persönlichkeitsmerkmale so entscheidend ist.
Zum Glück sind nicht alle Zwillingseltern so bescheu... ähm unvernünftig.

Man könnte sagen, das Ganze (die menschl. Persönlichkeit) ist mehr als die Summe der Anlagen (Gene und Umgebungsbedingungen). Worin genau dieses 'mehr' besteht - darüber streiten sich die Geister. Wie immer, wird die Wahrheit irgend wo in der Mitte liegen Noplan


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19.04.2008 11:35
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Z. Beeblebrox
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Atlantis
Post: #25
RE: Nationalismus/Patriotismus und Militarismus

gottvater Wrote:

Z. Beeblebrox Wrote:
...Aber vielleicht ist das Eigene, das Individuelle jedes Menschen ja wirklich nur die Kombination von Anlage und Umwelt...

Einspruch - wenn dem so wäre, würden bei gemeinsam aufwachsenden eineiigen Zwillingen immer die Gemeinsamkeiten überwiegen.


Einspruch-Einspruch - Auch eineiige Zwillinge müssen nicht exakt die gleiche Anlage haben. Ein kleiner Transskiptions- oder Translationsfehler nach der Trennung der Individuen, kann große Auswirkungen haben.
Auch die Umwelt ist ja nicht "die Gleiche". Ein Kind wird von 'ner Mücke gestochen und steckt sich mit irgendner blöden Krankheit an, oder was weiß ich, das andere macht wegweisende Erfahrungen, während das erste das Bett hütet. Kleinste Unterschiede in der Anlage und Umwelt können doch riesige Auswirkungen haben.

Und natürlich sollte man die Individualität von Zwillingen fördern und sie nicht gleichmachen. Da geb ich dir recht. Es fällt mir so schon immer schwer genug, die Nachbarszwillinge zu unterscheiden.Wink


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Post: #26
RE: Nationalismus/Patriotismus und Militarismus

Z. Beeblebrox Wrote:
...Auch die Umwelt ist ja nicht "die Gleiche". Ein Kind wird von 'ner Mücke gestochen und steckt sich mit irgendner blöden Krankheit an, oder was weiß ich, das andere macht wegweisende Erfahrungen, während das erste das Bett hütet. Kleinste Unterschiede in der Anlage und Umwelt können doch riesige Auswirkungen haben...

Einspruch - Einspruch - Einspruch. Natürlich sind die Bedingungen für gemeinsam aufwachsende Zwillinge nie vollkommen gleich und auch die Gene unterscheiden sich streng genommen ein bißchen.
Jedoch spielt hier auch die Größenordnung eine Rolle. D.h., in großen Gruppen werden diese (zufälligen) Einflüsse die Tendenz haben, sich zufällig zu verteilen. Damit sidn sie der statistischen Betrachtungsweise zugänglich, also unterliegen statist. Regeln und können mittels geeigneter Verfahren kontrolliert werden.
Weil das so ist, haben alle Aussagen über biolog. u. psych. Merkmale grundsätzlich einen Wahrscheinlichkeitscharakter und sind nie genauso sicher wie z.B. physikalische Zusammenhänge (aber auch da gibt's ja bekanntlich Meßfehler).
Weiter bedeutet es, daß bei allen Theorien über Zusammenhänge zw. Persönlichkeitsmerkmalen nie eine 100%ige Varianzaufklärung möglich ist. Wenn die Varianz bestimmter Merkmale zu, sagen wir mal, 60 oder 70% geklärt werden kann, ist das je nach Stichprobenumfang quantitativ schon ein sehr gutes Ergebnis. Darum hantieren Zwillingsforscher so gerne mit Prozentzahlen Wink

In manchen Untersuchungen wurden z.B. bezüglich bestimmter Merkmale größere Ähnlichkeiten zwischen (nichtverwandten) Kindern gefunden, die den gleichen Platz in der Geschwisterreihe einnehmen, als zwischen den Geschwistern untereinander. D.h., der Rangplatz in der Geschwisterreihe ist manchmal bedeutsamer, als die genet. Verwandschaft. Ein Merkmal, dem dies zugeschrieben wird, ist z.B. die Intelligenz. Erstgeborene sind im Mittel signifikant intelligenter, als Nachgeborene. Es gibt aber auch Untersuchungen, die das zu widerlegen scheinen.

Wie schon gesagt, die Anlage/Umwelt-Frage ist ein andauerndes Streitthema der Gelehrten. Ein bißchen so wie das Huhn-Ei-Problem und ein bißchen auch eine Modefrage Noplan

Um nun noch den Bogen zu Malones These hinzukriegen - ergänze ich seine Formel mal folgendermaßen: Eigene Leistung ist das Produkt der (Erb)Anlage, der Umwelt und dem was man daraus macht Wink

PS. Auf Individualität muß doch niemand verzichten Nono


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20.04.2008 01:54
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Post: #27
RE: Nationalismus/Patriotismus und Militarismus

gottvater Wrote:
Wie schon gesagt, die Anlage/Umwelt-Frage ist ein andauerndes Streitthema der Gelehrten. Ein bißchen so wie das Huhn-Ei-Problem


Henne und Hahn waren damals noch keine Hühner, aber das von ihnen stammende Küken im Ei schon, durch etwas andere Gene. Also war das Ei zuerst da - kenne da zumindestens keine Gegenargumente...

Das nur so am Rande. Pfeif

20.04.2008 02:29
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gottvater
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Post: #28
RE: Nationalismus/Patriotismus und Militarismus

Sheep Wrote:
...Henne und Hahn waren damals noch keine Hühner, aber das von ihnen stammende Küken im Ei schon, durch etwas andere Gene. Also war das Ei zuerst da - kenne da zumindestens keine Gegenargumente...

Ja - das las ich auch schon mal irgendwo. Also setze meinethalben statt Henne dasjenige lebendige Wesen (Vogel, Reptil, Amphibium, Insekt, Pflanze oder was auch immer Noplan), welches als erstes den doppelten Chromosomensatz produzierte und die Hälften als Ei- u. Samenzelle verkauft hat Wink

Für mich steht die Floskel im Sinne der Wikierklärung als Umschreibung der Frage nach dem ursprünglichen Auslöser einer Kausalkette, deren Gegenstände bzw. Ereignisse wechselseitig Ursache und Wirkung darstellen. Auf die Frage nach der Gewichtung oder Bedeutsamkeit von gen. Anlagen und Umgebungsbedingungen paßt das doch schon oder?


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20.04.2008 13:17
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Post: #29
RE: Nationalismus/Patriotismus und Militarismus

gottvater Wrote:
Für mich steht die Floskel im Sinne der Wikierklärung als Umschreibung der Frage nach dem ursprünglichen Auslöser einer Kausalkette, deren Gegenstände bzw. Ereignisse wechselseitig Ursache und Wirkung darstellen. Auf die Frage nach der Gewichtung oder Bedeutsamkeit von gen. Anlagen und Umgebungsbedingungen paßt das doch schon oder?


Mehr oder weniger - das Tier würde ich wegen der Gene als Huhn anerkennen, und nicht wegen des Wesens (das ja auch auf Umwelteinflüsse zurückgeht). Die Gewichtung wäre also absolut einseitig.

Bei der menschlichen Entwicklung (z.B. wie sehr waren die Anlagen zum Verbrecher schuld) würde ich dagegen garkein Urteil über die richtige Gewichtung treffen wollen.

20.04.2008 15:04
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Post: #30
RE: Nationalismus/Patriotismus und Militarismus

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21.04.2008 01:19
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