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Grundeinkommen
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ToniFerroni
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RE: Grundeinkommen
hat denn nu hier bei regendi jemand erfahrung gemacht mit dem grundeinkommen? was sind die auswirkungen? (also bei regendi jetzt...)
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| 22.07.2008 13:02 |
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fleischidambach
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RE: Grundeinkommen
Irgendwoanders ist das Thema u.a. von mir schon behandelt... lässt sich sicher leicht finden, hab nur leider grad dafür keine Zeit, weil ich weiterarbeiten sollte...
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| 22.07.2008 13:38 |
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gottvater
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RE: Grundeinkommen
In der vergangenen Woche hatte ich Gelegenheit einem Vortrag zum BGE zu lauschen und möchte mal kurz meine Eindrücke vorstellen.
Der Vortragende war ein Herr Boes, von der Bürgerinitiative-Grundeinkommen (1). Er sagte, schon jetzt zahlt der Staat in der Summe aller Transferleistungen ca. 750,- pro Kopf der Bevölkerung. Diese Transferleistunge würden dann ja fast gänzlich wegfallen und ein BGE in angemessener Höhe (z.B. über der Armutsrisikogrenze von ca. 930,-) hätte einen vergleichsweise geringen Finanazierungsbedarf. Er vertritt im Prinzip das Modell vom Drogerie-Werner. Dieser hat eine originelle Sichtweise auf das kapitalistische System, er sagt z.B.:
"Als Unternehmer zahle ich meine Steuern sowieso nicht. Ein Unternehmer zahlt nie Steuern, sondern verkalkuliert sie. Bezahlt werden sie vom Kunden über den Preis." (2)
Das hört sich irgendwie einleuchtend an und der Vortragende begründete damit auch sein Finanzierungsmodell. Er sagte, wenn alle Abgaben (Steuern und Sozialabgaben), die heute schon im Produktpreis enthalten sind und vom Endverbraucher praktisch bezahlt werden - vom Herstellungsprozeß auf den Kauf (Verbrauch) umgelegt würden - in Form einer 100%igen Mehrwertsteuer, dann wäre das im Endpreis neutral. D.h., der Verbraucher zahlt nicht mehr, als zuvor.
Das klingt bestechend - sicher ist dieser Zusammenhang auch real vorhanden und der Unternehmer, der diese Abgaben nicht mehr leisten muß - wird sein Produkt um (theoretisch) diesen Anteil billiger anbieten. Dann käme die praktische Verdopplung (durch 100% MwSt) wieder dem vorherigen Preis gleich. Aber und das wäre mein wichtigster Einwand, dann verliert auch der Solidaritätsgedanke (GG [sinngemäß] - wer mehr hat, soll auch mehr leisten) vollkommen an Bedeutung und die Spanne zwischen arm und reich wird noch absurdere Ausmaße annehmen, als es schon gegenwärtig der Fall ist.
Auf diesen Einwand ging der Vortragende zwar sehr wortreich, aber leider nur wenig inhaltsreich ein. Das sei ein Argument der Linken. Ich meine eher, es betrifft die Frage, in was für einer Gesellschaft wollen wir leben.
Hierzu würden mich mal eure Meinungen interessieren.
1 http://www.buergerinitiative-grundeinkommen.de
2 http://www.manager-magazin.de/koepfe/unt...-3,00.html
Nehmt die Menschen wie sie sind - andere gibt's nicht... /Take people as they are - there are no other...
This post was last modified: 27.07.2008 00:44 by gottvater.
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| 26.07.2008 12:34 |
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fleischidambach
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Spektromia Toxikologia
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RE: Grundeinkommen
den letzen Link müsstest du nochmals posten - der geht nicht.
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| 26.07.2008 13:43 |
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Sheep
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RE: Grundeinkommen
In der vergangenen Woche hatte ich Gelegenheit einem Vortrag zum BGE zu lauschen und möchte mal kurz meine Eindrücke vorstellen.
Der Vortragende war ein Herr Boes, von der Bürgerinitiative-Grundeinkommen (1). Er sagte, schon jetzt zahlt der Staat in der Summe aller Transferleistungen ca. 750,- pro Kopf der Bevölkerung. Diese Transferleistunge würden dann ja fast gänzlich wegfallen und ein BGE in angemessener Höhe (z.B. über der Armutsrisikogrenze von ca. 930,-) hätte einen vergleichsweise geringen Finanazierungsbedarf.
Nach http://www.destatis.de/jetspeed/portal/c...n0508.psml betrugen die Ausgaben für Soziales 2007 knapp 357 Milliarden (Seite 3 des PDFs). Wenn man vereinfacht (und zugunsten des Grundeinkommens) sagt, dass die 750 Euro komplett wegfallen, bleibt eine Steigerung des Budgets um 24% (930 / 750 = 1.24), also gut 85 Milliarden Mehrausgaben für den Bund. Das sind dann etwa 8.5% des Gesamtbudgets des Bundes, die dann über zusätzliche Einnahmen, reduzierte Ausgaben oder neue Schulden zu finanzieren sind - ob es das wert wäre, muss jeder für sich entscheiden.
Ob die Länder zusätzlich noch etwas finanzieren, oder ob in anderen Budgets Sozialleistungen versteckt sind, kann ich nicht mit Sicherheit sagen - das wird aber vermutlich an der Grössenordnung nichts ändern.
Er vertritt im Prinzip das Modell vom Drogerie-Werner. Dieser hat eine originelle Sichtweise auf das kapitalistische System, er sagt z.B.:
"Als Unternehmer zahle ich meine Steuern sowieso nicht. Ein Unternehmer zahlt nie Steuern, sondern verkalkuliert sie. Bezahlt werden sie vom Kunden über den Preis." (2)
Das hört sich irgendwie einleuchtend an und der Vortragende begründete damit auch sein Finanzierungsmodell. Er sagte, wenn alle Abgaben (Steuern und Sozialabgaben), die heute schon im Produktpreis enthalten sind und vom Endverbraucher praktisch bezahlt werden - vom Herstellungsprozeß auf den Kauf (Verbrauch) umgelegt würden - in Form einer 100%igen Mehrwertsteuer, dann wäre das im Endpreis neutral. D.h., der Verbraucher zahlt nicht mehr, als zuvor.
Wenn man einige Nebeneffekte* ausser acht lässt, zahlt er nicht mehr, gut. Allerdings nimmt der Staat auch nicht mehr ein, und die Unternehmen verkaufen nach wie vor zu den gleichen Preisen - es ist also ein Nullsummenspiel, solange man nur die eigene Volkswirtschaft betrachtet.
* Als Nebeneffekt würde ich z.B. erwarten, dass die Bürger versuchen die Mehrwertsteuer zu umgehen, unter anderem mit Einkauf "von Firmenbedarf" in der Metro. Andererseits würden Unternehmen nicht mehr mit legalen und illegalen Tricks ihre Zahlungen reduzieren, denn es gibt ja keine Zahlungen mehr zum Reduzieren.
Die Produktion für den Export wird dann quasi subventioniert, denn die Unternehmen können hierzulande billig produzieren, da der Staat auf Besteuerung verzichtet. Entsprechend fallen natürlich Steuereinnahmen aus. Im Ausland produzierende Unternehmen werden doppelt bestraft - sie stellen nicht hier ihre Produkte her, wodurch diese vergleichsweise teuer sind, und dann muss auf diesen Produktionspreis nochmal eine satte Mehrwertsteuer aufgeschlagen werden.
Zwei Dinge sprechen aus meiner Sicht dagegen: Erstens führt das zu einem wirtschaftlichen Wettrüsten der Staaten bei den Subventionen, und zweitens exportiert Deutschland wesentlich mehr als es importiert, man müsste die Steuerlast von vielen Firmen auf relativ wenige andere umverteilen, also die Mehrwertsteuer deutlich steigern.
EDIT: Wie ist das mit dem "Finanzierungsmodell" gemeint? Ich sehe jetzt nicht wie dieser Ansatz das Grundeinkommen bezahlen soll, es scheint eine reine Umverteilung zu sein...
This post was last modified: 26.07.2008 14:30 by Sheep.
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| 26.07.2008 14:28 |
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gottvater
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RE: Grundeinkommen
den letzen Link müsstest du nochmals posten - der geht nicht.
ja sorry, hab ich beim Kopieren verstümmelt - jetzt isser funktionsfähig.
...Wie ist das mit dem "Finanzierungsmodell" gemeint?...
Werner geht in verschiedenen Quellen von anfangs ca. 700,- aus, was sich später, wenn das Modell greift und die Arbeitsproduktivität hoch genug ist, auf 1400 bis 1500,- steigern soll. Am Anfang ist es eine Umverteilung, womit er begründet, daß es auf dem Niveau der jetzigen Transferleistungen sofort machbar wäre - mit großem Einsparpotential bei der der ganzen Sozialbürokratie und dem Finanz-, bzw. Steuerwesen.
Zu dem letzten Punkt, den ich als meinen hauptsächlichen Einwand bezeichnet habe, sagt er übrigens sinngemäß, die Reichen würden ja mehr bezahlen - weil sie auch mehr konsumieren.
Vielleicht meint er, die hätten größere Mägen... oder nur sie können künftig dann die teuren Importe bezahlen. Apfelsinen, Bananen für die Oberschicht, heimische Äpfel für's Volk - oder so
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| 27.07.2008 01:01 |
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Sheep
praktisch grätenfrei
   
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Natikien Sodikien
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RE: Grundeinkommen
Am Anfang ist es eine Umverteilung, womit er begründet, daß es auf dem Niveau der jetzigen Transferleistungen sofort machbar wäre - mit großem Einsparpotential bei der der ganzen Sozialbürokratie und dem Finanz-, bzw. Steuerwesen.
Hmm ja, das klingt recht liberal - mithilfe von stark vereinfachten Regeln am Verwaltungsapparat sparen, um den Haushalt zu verkleinern. Es bedeutet aber auch Massenentlassungen, und damit reduzierte Kaufkraft, reduzierte Einkommenssteuern und Unzufriedenheit in der Bevölkerung.
Zu dem letzten Punkt, den ich als meinen hauptsächlichen Einwand bezeichnet habe, sagt er übrigens sinngemäß, die Reichen würden ja mehr bezahlen - weil sie auch mehr konsumieren.
Vielleicht meint er, die hätten größere Mägen... oder nur sie können künftig dann die teuren Importe bezahlen. Apfelsinen, Bananen für die Oberschicht, heimische Äpfel für's Volk - oder so 
Sie geben absolut gesehen mehr für Konsum aus (indem sie z.B. teurere Lebensmittel kaufen), aber gleichzeitig relativ gesehen weniger: während die breite Masse einen Grossteil ihres Geldes für alltägliches ausgeben muss und damit fleissig Mehrwertsteuer zahlt, ist bei Reichen die Sparquote deutlich höher - sie zahlen also gemessen an ihren Einnahmen weniger Mehrwertsteuer. Bei einem Satz von z.B. 100% ist das von Gerechtigkeit (nach linker Definition) weit entfernt...
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| 27.07.2008 11:44 |
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Usu
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Ghorbhondh
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RE: Grundeinkommen
Ich sehe das auch so. Die Mehrwertsteuer sorgt eher für eine Umverteilung von Unten nach Oben. Um die Schieflage zu begradigen wäre ein Ansatz wie in der Natürlichen Ökonomie - einen Link hatte Rumo weiter oben gepostet - die bessere Variante.
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| 27.07.2008 12:15 |
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gottvater
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RE: Grundeinkommen
...einen Link hatte Rumo weiter oben gepostet...
hab ich mir auch gewissenhaft zu Gemüte geführt und muß zugeben, es liest sich verheißungsvoll. Allerdings habe ich noch wirklich verstanden, wie es zu der Verheißung kommen soll.
Anders gesagt - es klingt so ein bissel wie, man könne sich waschen ohne sich naß zu machen.
So wie ich es verstanden habe, verlangt es von den Menschen ein ziemlich radikales Umdenken (mehr noch als das GE), die Abkehr von vielen tradierten Haltungen und Einstellungen. Es ist aber, solange die heutige Ungleichheit (lokal und erst recht global) existiert, nicht damit zu rechnen, daß eine Mehrzahl von Leuten auf das ganze 'Konsumspiel' zugunsten eines so sozialen Gedankens verzichtet. Solange es Dinge gibt, die sich nur eine kleine Gruppe von Leuten leisten können - gibt es beim überwiegenden Rest ein starkes Bestreben, diese ebenfalls (und am besten noch ein bissel mehr) zu bekommen...
Viell. bin ich aber auch nur zu pessimistisch
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This post was last modified: 27.07.2008 14:08 by gottvater.
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| 27.07.2008 14:08 |
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CabCortes
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RE: Grundeinkommen
Hallo zusammen,
ich bin heute über die Seite archiv-grundeinkommen.de auf dieses Spiel gestoßen und hab mir gleich mal meinen Staat zusammen gebastelt. Mal sehen was daraus wird! 
Beim Querlesen des Forums bin ich auch auf diesen schon leicht angestaubten Thread gekommen und hab mich gleich "zuhause" gefühlt! Die Idee Grundeinkommen beschäftigt mich momentan sehr, denn ich bin aktiv in der Gestaltung der "Woche des Grundeinkommens" in Hamburg eingebunden.
Während dieser Woche soll die Idee zum einen in die Bevölkerung getragen werden, zum anderen inhaltlich weitergeführt werden. Denn wie ihr schon selbst erlebt habt sind noch längst nicht alle Fragen gelöst!
Wenn ihr also Interesse an dem Thema habt und euch weiter informieren/einbringen wollt, schaut doch mal unter http://www.woche-des-grundeinkommens.org/ oder
https://www.grundeinkommen.de/
Und hier ein kleines "Einstimmungsvideo":
http://www.youtube.com/watch?v=3LmbmP5m-Go
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| 20.08.2008 15:45 |
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